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Die jüdische Gemeinde Laupheim und ihre Zerstörung

Gedenkbuch Seiten 365 - 368 

LÖWENTHAL, Lazarus Michael,

 Viehhandel, Kapellenstraße 62

 

ROBER T E ß

Lazarus Michael „Louis David“ Löwenthal geb. 13. 6. 1865 OO  gest. 23. 6. 1943 in Theresienstadt
Doris Löwenthal, geb. Klein  geb. 30.9.1876, Roth/Schwabach gest. 6. 4. 1942 in Theresienstadt
[Getti, verh. Kuttler geb. 30. 5. 1902 in Laupheim, in die USA emigriert]
Selma Karolina  geb. 25. 3. 1903 in Laupheim ermordet in Theresienstadt am 3. 5. 1942
[Dinah verh. Maly geb. 31. 3. 1906 in Laupheim, in die USA emigriert]
– [David geb. 17. 7. 1907 in Laupheim, in die USA emigriert, gestorben am 21.01.1955 in Nassau, New York USA]

Lazarus Michael „Louis“ Löwenthal, genannt „schwarzer Lui“, stammt aus der alteingesessenen Löwenthal-Dynastie.

Sein Vater David Löwenthal (1823–1898) war ein Sohn von Marx Löwenthal (1816–1856), dem Gründer der Firma M. wenthal und Sohn, Hopfengroßhandel, in Kapellenstraße 75. Lazarus Louis Löwenthal war mit Doris Klein verheiratet und betrieb in der Kapellenstraße 62 einen Viehhandel.

Briefkopf von Marx Löwenthal

(Archiv: Michael Schick)

In der Pogromnacht vom 9. auf 10. Nov. 1938 wird Louis Löwenthal mit 16 weiteren jüdischen Geschäftsmännern verhaftet zunächst nach Ulm und von dort dann weiter ins Konzentrationslager nach Dachau verschleppt.


 

Louis Löwenthal, „schwarzer Lui genannt, Foto aus den 30er Jahren.

(Foto: Bilderkammer Museum)

Hierzu schreibt das Ulmer Tagblatt am 11.11.1938:

 

Gerechter Volkszorn 56 Juden in Schutzhaft.
Im Verlaufe der Nacht wurden von der Polizei insgesamt 29 Juden von Ulm, 19 Juden von Laupheim, 8 Juden von Buttenhausen verhaftet, vorerst in der Polizeiwache sichergestellt und dann in das Polizeigefängnis in der Griesbadgasse eingeliefert. Sie werden bis auf Weiteres in Schutzhaft bleiben! Nachmittags wurden die Häftlinge in das Gefängnis beim Zundeltor gebracht, wo sich schon einige befanden, die direkt dorthin gebracht wurden. Am 11. November morgens fuhr ein Autobus nach Dachau.“
  

Louis Löwenthal wurde erst am 4. Januar 1939 entlassen, mit den Auflagen: „Stillschweigen über ihre Haft zu wahren, ihr Eigentum zu veräußern und Deutschland zu verlassen.“1)

Am 9. November 1939, dem Jahrestag der Pogromnacht, wurde Louis Löwenthal zusammen mit 12 anderen jüdischen Männern, auf Veranlassung des Landrats, abermals in „Schutzhaft genommen und von den Polizeibeamten mit Unterstützung von SS-Männern und Arbeitsdienst im Amtsgerichtsgefängnis in Laupheim inhaftiert.2)

Im September 1941 muss der 76jährige zusammen mit seiner Frau Doris und Tochter Selma aus dem Haus in der Kapellenstraße ins jüdische Altersheim auf dem Judenberg 2 (früheres Rabbinatsgebäude) umziehen. Am 25. November 1941 sind: das Wohnhaus Kapellenstraße 62 (zweistöckig), der Gemüsegarten hinter dem Haus und der Baumgarten, zusammen 9 a 51 an das Reich übergegangen. (Elfte Verordnung zum Reichsbürgergesetz vom 25. November 1941).

Am 7. Januar 1942 schreibt der Laupheimer Bürgermeister an die Oberfinanzdirektion bezüglich Verwertung des jüdischen Vermögens in der Kapellenstraße 62: 

„Eigentümer Louis David Löwenthal lebt noch in Laupheim und ist daher noch Eigentümer. Es ist aber damit zu rechnen, dass auch sie nach Osten abgeschoben werden.“3)
 

Im August 1942 wurde Louis Löwenthal zusammen mit seiner Frau Doris in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Sie starb bereits kurz nach der Ankunft am 6. September an Entkräftung, Louis Löwenthal am 23. Juni 1943.

Lebten 1905 noch 51 Viehhändler (50 der israelitischen und einer der christlichen Religion angehörig) in Laupheim, so starb mit David Lazarus Louis der letzte in Laupheim ansässige jüdische Viehhändler.

 

Die Kinder:

Selma Karolina Löwenthal

Geboren am 30. Mai 1902 in Laupheim war ledig und lebte 1933 zunächst in Frankfurt am Main, 1936 lebte sie in Ulm (Donau) und bis 1938 in Köln. Danach zog sie zurück nach Laupheim zu ihren Eltern, die in der Kapellenstraße lebten. Später wurde sie zusammen mit ihnen in das jüdische Altersheim im ehemaligen Rabbinatsgebäude Judenberg 2 umquartiert. Im Jahre 1942 wurde Selma Löwenthal zunächst von Laupheim aus in das Konzentrationslager Theresienstadt und von dort am 20. August 1942 direkt in das Vernichtungslager Icbica bei Lublin deportiert.


 

 Rosa Einstein und Selma Löwenthal (rechts) in der Küche des jüdischen Altersheimes, 1940.

 

Sohn David Löwenthal

Geboren am 17. Juli 1907 in Laupheim, war ledig und Metzger. Er kehrte am 5. Juni 1935 aus Bad Wildungen zurück nach Laupheim. 

Getti, verh. Kuttler, und Dinah, verh. Maly

Sie emigrierten zusammen mit ihrem Bruder David in die USA.

Die drei überlebenden Geschwister, Getti, Dinah und David, waren die rechtmäßigen Erben des Anwesens in der Kapellenstraße 62. Im Mai 1952 stellten sie beim Bürgermeisteramt Laupheim einen Antrag auf Rückgabe ihres Anwesens und die Erstattung der bis dahin angefallenen Mieteinnahmen, die vom Finanzamt Biberach verwaltet wurden. Die Rückführung des Besitzes erfolgte umgehend.4)

Getti auf einem Klassenfoto von 1909.

Kapellenstraße 62 und 64, die beiden Löwenthal-Häuser auf der rechten Straßenseite, im heutigen Zustand.     

(Foto: Robert Eß)

 

 

Quellen

 

1) „Die Deportation der Juden aus Laupheim“, Seite 23, Cornelia Hecht/Antje Köhler Schmidt.

2) „Die Deportation der Juden aus Laupheim“, Seite 31.

3) Schreiben des Laupheimer Bürgermeisters an die Oberfinanzdirektion von Württemberg in Stuttgart. und „Deportation der Juden aus Laupheim“, Seite 75.

4) Staatsarchiv Sigmaringen 126/2 Nr. 3, Schreiben von Martin D. Löwenthal im Namen der Erben am 15. Mai 1951 an das Bürgermeisteramt Laupheim.


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